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Es gibt keine einfachen Lösungen

Ich glaube nicht an einfache Lösungen. All die Herausforderungen, die uns im Leben widerfahren bedürfen einer genaueren Betrachtung. Sie sagen etwas aus über uns, über die Welt, in der wir leben und über unser Potenzial, das noch zu entdecken ist. Jede Herausforderung bringt uns zu neuen Einsichten über uns selbst. Und jedes Mal ist die Aufgabe das Erkennen, was die eigentliche Aufgabe daran ist.

Wollen wir sie bewältigen? Wie wollen wir sie bewältigen? Wie verhalten wir uns ihr gegenüber?

Eine schnelle Lösung wäre, wenn uns einfach alles egal wäre: Unsere Mitwelt, unsere Mitmenschen und schließlich wir uns selbst. Einfach alles annehmen und keinerlei Reaktion zulassen – innerlich wie äußerlich. Das wäre eine einfache Lösung. Einfach, weil sie nicht erklärungsbedürftig ist und die Umsetzung in einem Unterlassen besteht.

Dann wäre uns einfach alles egal: Der Verlust von Beziehungen, der Tod eines geliebten Menschen und der Mitarbeiter, der uns vor versammelter Belegschaft anschreit.

Dann wäre uns einfach alles egal: Das Eingehen von Beziehungen, die Geburt des eigenen Kindes oder der Mitarbeiter, der uns vor versammelter Belegschaft lobt.

Nein, wir wollen ja das Positive behalten! Nur das Negative, das kann uns egal bleiben. Die Sonnenseite des Lebens genießen und die Schattenseiten ausblenden. Alles erstrahlt in gleißendem Licht.

Aber:

Was wäre die Freude ohne die Trauer?

Was wäre die Liebe ohne den Hass?

Was wäre der Stolz ohne die Scham?

Eines der größten Bedürfnisse der Menschen ist das nach Beziehung. Ohne andere Menschen sind wir nichts. Wir erleben uns im Gegenüber, wir nehmen uns wahr durch den anderen. Wir brauchen die Beziehung, um uns selbst zu erkennen. Und erkennen müssen wir uns, weil wir nur so ein zufriedenes Leben führen können. Wer will uns sonst sagen, was unser Bedürfnis, was unsere Sehnsucht ist?

Es gibt Schubladen, in die wir uns stecken können. Dann werden wir uns selbst gegenüber handhabbar. Wir können uns so besser begreifen. Zumindest für einen flüchtigen Moment.

Deshalb gibt es all diese Herausforderungen da draußen. Jede von ihnen gibt uns die Chance zu erkennen – und zu wählen! – welche Facetten es noch zu entdecken gibt, woran wir noch wachsen wollen. Denn für alles gibt es eine Wahl. Niemals sind wir – ausschließlich – Opfer unserer Umstände.

Dafür müssen wir uns Freiheiten verschaffen. Und eine bedingungslose Akzeptanz anderen und – was die größere Herausforderung ist – uns selbst gegenüber.

Und das ist nicht einfach.

Und das ist auch gut so! Denn so komplex und einzigartig sind wir Menschen – jeder und jede für sich. Egal wer oder was uns geschaffen hat: Sehr viel Mühe und Anstrengung sind in uns investiert worden. Eine einfache Lösung wäre glatter Hohn gegenüber der Vielfalt des Lebens.

Tanja Rathmann

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